Vitamin B1

Alternative Bezeichnung: Thiamin

Was ist Vitamin B1?

Thiamin ist ein wasserlösliches B-Vitamin. Im menschlichen Organismus liegt der Thiamingehalt bei rund 30 Milligramm, wobei 80 Prozent als Thiaminpyrophosphat (TPP) in der Muskulatur gespeichert sind. Da die Halbwertszeit von Thiamin bei 10 bis 18 Tagen liegt und die Umsatzrate somit sehr hoch ist, muss das Vitamin kontinuierlich mit der Nahrung zugeführt werden.

Wirkung und Funktion von Vitamin B1

Thiamin trägt bei täglicher bedarfsgerechter Aufnahme zu einem normalen Energiestoffwechsel bei. Doch im menschlichen Körper ist es nicht nur der Energiehaushalt, der mit Thiamin versorgt wird: Das Vitamin trägt bei ausreichender Zufuhr auch zur normalen Funktion des Nervensystems, zur normalen psychischen Funktion bei und zu einer normalen Herzfunktion bei.

Vitamin-B1-Bedarf

Thiamin wird vor allem über den Zwölffingerdarm (Duodenum) und den oberen Dünndarmabschnitt (Jejunum) in den Körper aufgenommen. Bestimmte Faktoren können die Absorption von Vitamin B1 aus der Nahrung vermindern bzw. dessen Ausscheidung erhöhen. So steigern sogenannte Antithiaminfaktoren aus Schalentieren, manchem Gemüse, Kaffee und Tee den Thiaminbedarf. Weitere Faktoren, die den Bedarf an Thiamin erhöhen, sind eine erhöhte Alkohol- und Kalorienaufnahme, ein Folsäure- oder Proteinmangel, schwere körperliche Arbeit, Stress, Fieber, eine Schilddrüsenüberfunktion und die Einnahme von Kontrazeptiva (Pille).

In der nachfolgenden Tabelle sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nach Lebensalter dargestellt. Sie stellen jedoch Schätzwerte dar. Die oben genannten Faktoren können den Thiaminbedarf teils drastisch erhöhen. Im ernährungsmedizinischen Bereich werden in individuellen Fällen deutlich höhere Dosierungen von bis zu 200 mg pro Tag eingesetzt.

Zufuhrempfehlungen der DGE für Thiamin/Vitamin B1

Lebensabschnitt

Zufuhrempfehlungen (mg/Tag)

m

w

0 bis 4 Monat

0,2

0,2

4 bis 12 Monate

0,4

0,4

1 bis 4 Jahre

0,6

0,6

4 bis 7 Jahre

0,7

0,7

7 bis 10 Jahre

0,9

0,8

10 bis 13 Jahre

1,0

0,9

13 bis 15 Jahre

1,2

1,0

15 bis 25 Jahre

1,4

1,1

25 bis 51 Jahre

1,2

1,0

51 bis 65 Jahre

1,2

1,0

Ab 65 Jahre

1,1

1,0

Schwangere ab dem 4. Monat

1,2

Stillende

1,3


Vitamin B1 in Nahrungsmitteln

Thiamin kann sowohl über tierische, als auch über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Thiamin bei hohen Temperaturen oder in Kombination mit dem Lebensmittelzusatz Sulfit inaktiv wird. Eine Reihe industrieller Lebensmittelverarbeitungsprozesse können ebenfalls zu deutlichen Thiaminverlusten führen, weshalb vor allem Fertiggerichte kaum noch Thiamin enthalten. Weizenkeime und Vollkornprodukte stellen dagegen grundsätzlich eine gute Quelle für Vitamin B1 dar, unter anderem, da sie in der Regel in größeren Mengen konsumiert werden können. Lebensmittel mit hohem Thiamingehalt sind Hefe (6 bis 24 mg/100g), Hafermehl (0,7 mg/100 g), Schweinefleisch (das mit 0,7 bis 1 mg pro 100 g zwar viel Thiamin enthält, ansonsten aber wegen großer Mengen gesättigter Fettsäuren kein empfehlenswertes Nahrungsmittel darstellt), Nüsse (0,2 bis 0,9 mg/100 g) und Hülsenfrüchte (0,3 bis 0,8 mg/100 g). Aber auch unpolierter Reis, Rindfleisch, Kartoffeln und Weizenvollkorn enthalten geringere Thiaminmengen.

Vitamin-B1-Mangel und Supplementierung

Die häufigste Ursache von Thiaminmangel ist chronischer Alkoholkonsum. Aber auch weitere der oben genannten Faktoren können zu einer Unterversorgung führen. Einseitige Ernährung mit überproportionalem Verzehr von Weißmehl und poliertem Reis kann ebenfalls einen Thiaminmangel begünstigen, denn geschältes Getreide kann nur ein Hundertstel des Thiamingehaltes von Vollkorngetreide vorweisen. Ein gleichzeitiger Mangel mehrerer B-Vitamine tritt hierbei häufiger auf als eine alleinige Unterversorgung mit Thiamin.

Schon ein leichter Thiaminmangel kann zu Symptomen wie Verdauungsstörungen, Verstopfung, Reizbarkeit, Appetitverlust, Kopfschmerzen, Schwäche, Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen und zu einer herabgesetzten Schmerzgrenze führen.

Ein klinischer Thiaminmangel äußert sich in Form der Beri-Beri-Krankheit, die bei Erwachsenen in drei verschiedenen Formen auftreten kann: Bei der trockenen Form treten unter anderem Bewegungsstörungen und Skelettmuskelschwund auf, wohingegen bei der nassen Form zusätzlich Ödemen, Herzschwäche und -versagen auftreten können. Die cerebrale Form (Wernicke-Korsakow-Syndrom), die vorwiegend bei Alkoholikern auftritt, verursacht unter anderem eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, Desorientierung und Bewegungsstörungen.

Bei Neugeborenen, die im Mutterleib nicht ausreichend mit Thiamin versorgt wurden, und bei Säuglingen mit Thiaminmangel können ebenfalls verschiedene Beri-Beri-Formen auftreten, die unter anderem zu Atemnot, Erbrechen und Kreislaufproblemen führen. Bei der Therapie eines Mangels werden je nach Schweregrad bis zu 200 Milligramm Vitamin B1 oral verabreicht.

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