Entgiftung

Alternative Bezeichnungen: Detoxifikation, Biotransformation, Entschlackung

Was ist Entgiftung?

Unter Entgiftung versteht man die Verstoffwechselung toxischer Substanzen im Körper. Die Prozesse der sogenannten Biotransformation laufen in der Leber und den Nieren ab, sodass diese Organe die wichtigsten Entgiftungskomponenten des Körpers darstellen. Prozesse der „Entschlackung“ bzw. „Entgiftung“, die im Zusammenhang mit Fastenkuren, Einläufen und anderen Heilpraktiken stehen, sind wissenschaftlich nicht belegt. Unter normalen Bedingungen häuft der menschliche Organismus keine toxischen Stoffwechselprodukte an. Bestimmte Schadstoffe (z. B. einige Schwermetalle), die über die Nahrung aufgenommen werden, sind jedoch in der Lage, sich im Körper anzureichern.

Ablauf der Biotransformation/ Entgiftung

Bei der Entgiftung werden körperfremde Substanzen (Xenobiotika, z. B. Arzneimittel, Toxine, Alkohol) oder körpereigene Stoffe (Endobiotika; z. B. Hormone, Proteine, Gallensäure) in wasserlösliche, ausscheidbare Stoffe umgewandelt. Die Umwandlung der toxischen Stoffe findet vor allem in bestimmten Zellkompartimenten der Leber statt und wird in die Umwandlungs- (Phase-I-) und Konjugationsreaktion (Phase-II-Reaktion) unterteilt. In beiden Reaktionen ist die Aktivität von Enzymen von entscheidender Bedeutung. Das wohl wichtigste Enzym stellt die Cytochrom-P450-abhängige Monooxygenase dar, die eine eisenaltige Häm-Gruppe besitzt und Hydroxylierungsreaktionen von körperfremden und -eigenen Substanzen katalysiert.

Vereinfacht dargestellt werden in der Umwandlungsphase die Schadstoffe durch biochemische Reaktionen (z. B. Oxidation, Hydroxylierung) strukturell verändert. Die anschließende Konjugationsphase hat die Aufgabe die veränderten Schadstoffe zu binden, sodass Produkte wie Glucuronsäure entstehen, die über den Darm oder die Nieren ausgeschieden werden. 

Einteilung der Nahrungsschadstoffe

Natürliche Schadstoffe entstehen aufgrund der Reifung von Pflanzen. Zu ihnen werden zum Beispiel das Solanin der Nachtschattengewächse, die Blausäure von Bittermandeln oder das Saxitoxin aus Muscheln gezählt. Werden Lebensmittel jedoch in normalen Mengen verzehrt und richtig gelagert, kann eine gesundheitliche Schädigung ausgeschlossen werden.

Bei einer unsachgemäßen Lagerung oder Verarbeitung von Lebensmitteln können außerdem Stoffe wie Nitrosamine (z. B. durch falschen Anbau oder Ernte von Gemüse), trans-Fettsäuren (z. B. durch zu starkes Erhitzen von Öl) oder Acrylamid (z. B. bei falscher Lagerung von Kartoffeln) entstehen, die ein höheres Gesundheitsrisiko darstellen.

Auch Lebensmittelzusatzstoffe, wie Farbstoffe, Dickungsmittel oder Geschmacksverstärker, die den Genusswert von Lebensmitteln erhöhen sollen, können sich negativ auf die Gesundheit auswirken und beispielsweise Allergien auslösen. Aufgrund strikter Regelungen werden Bio-Produkten, im Gegensatz zu konventionell hergestellten Lebensmitteln, deutlich weniger Zusätze beigegeben.

Stoffe, die Lebensmitteln ausschließlich für den Herstellungsprozess zugesetzt werden und im Endprodukt noch nachweisbar sind, werden als Rückstände bezeichnet. Zu ihnen werden Dünger, Tierarzneimittel (Antibiotika) oder Pestizide (Pflanzenschutzmittel) gezählt. Sie können im Körper angereichert werden und die Gesundheit beeinträchtigen. Bei Bio-Verbänden (z. B. demeter) ist der Einsatz dieser Stoffe eingeschränkter und strikter geregelt als bei konventionell betriebenen Herstellern.

Schwermetalle, Pestizide, radioaktive Substanzen oder halogenierte Kohlenwasserstoffe, die Lebensmittel unbeabsichtigt anreichern, werden hingegen als Umweltkontaminanten bezeichnet. Die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Umweltkontaminanten kann über verschiedene Wege (Luft, Wasser, Boden) stattfinden.

Krankheitserregende Mikroorganismen (z. B. Viren, Bakterien, Pilze) befallen Lebensmittel zum Beispiel bei deren Verderb und der unsachgemäßen Lagerung der Nahrungsmittel. Dabei beeinträchtigen vor allem die Stoffwechselprodukte (z. B. Mykotoxine, Neurotoxine) dieser Mikroorganismen die Gesundheit.

Entgiftungsorgane

Über den Verdauungstrakt, die Haut und die Lunge können sowohl lebensnotwendige Substanzen als auch Schadstoffe in den Körper gelangen. LeberNiereLungeDarm und Haut sind außerdem die Organe, die diese Stoffe erkennen, herausfiltern, umwandeln und ausscheiden. Dass der Großteil des Blutes durch die Leber und Nieren fließt, ist ein Zeichen für deren ausgesprochene Wichtigkeit für den Entgiftungsstoffwechsel des Körpers.

Die Leber ist als größtes Stoffwechselorgan im menschlichen Organismus am wichtigsten für die Entgiftung körpereigener und -fremder Stoffe. Pro Minute leitet die Pfortader etwa einen Liter Blut durch die Leber, die daraus Schadstoffe herausfiltert. Weiterhin ist die Leber im Stoffwechsel an der Regulation des Glukosehaushaltes und der Immunantwort, aber auch an der Produktion und Ausscheidung körpereigener Proteine und der Gallensäuren beteiligt.

Chronische Lebererkrankungen entstehen durch erhöhten Alkoholkonsum, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Hepatitis B und C und enden meist in dem klinischen Bild der Leberzirrhose. Diese kann entweder jahrelang ohne Komplikationen verlaufen, oder sich in Blutungen, Aszites, Tumoren, hepatischer Enzephalopatie und dem Verlust der Leberfunktion manifestieren. Bei früher Diagnose können mit einer ernährungsmedizinischen Therapie gute Erfolge erzielt werden.

Die Nieren sind ein weiteres wichtiges Organ für die Ausscheidung körperfremder und körpereigener Schadstoffe. Zu den Stoffwechselprodukten, welche die Nieren aus dem Körper entfernen, gehört zum Beispiel Kreatinin, das als Abfallprodukt von Creatin aus dem Muskelstoffwechsel anfällt. Aber auch Urobilin, ein Abbauprodukt des Hämoglobins (Blutbestandteil) wird über die Nieren ausgeschieden und verleiht dem Urin seine Farbe. Über den Urin werden des Weiteren viele Lebensmittelzusatzstoffe, wie Saccharine (künstliches Süßungsmittel) oder Benzoat-Anionen (Konservierungsstoffe) ausgeschieden.

Die wichtigsten Funktionen der Nieren sind jedoch die Aufrechterhaltung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes des Körpers. Fällt diese Funktion beispielsweise durch Nierenversagen aus, verursachen die auftretenden Störungen im Blutvolumen und der Ionenkonzentration ernsthafte medizinische Komplikationen, noch bevor es zu einer toxischen Anreicherung von Schadstoffen im Körper kommt.

 

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