Alles zur Ketogenen Diät

Die Ketogene Diät

Wie erfolgreich ist die Ketogene Ernährung?

Als Keto Diät bezeichnet man alle Diäten, die soweit ohne Kohlenhydrate auskommen, dass eine sog. „Ketose“ erzeugt wird. Tritt dieser Stoffwechselzustand ein, deckt der Körper seinen Energiebedarf zum Großteil aus Fetten. Erfahre, was bei einer Ketose im Körper passiert und wie gesund eine ketogene Ernährung für dich ist!

Lebensmittel für die Ketogene Diät

Als Ketogene Ernährung bezeichnet man eine Ernährungsweise, bei der wenige Kohlenhydrate (Low Carb) bis sehr wenige Kohlenhydrate („No Carb“) verzehrt werden. Das bedeutet, dass sich die tägliche Kost vor allem aus Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten, Milchprodukten, Nüssen, Kernen, Hülsenfrüchten sowie aus zuckerarmem Obst und Gemüse zusammensetzt. Stark kohlendydratlastige Lebensmittel wie Getreideprodukte oder Kartoffeln werden hingegen gemieden.

Ziel einer Ketogenen Ernährung ist es, den Körper in einen besondern Stoffwechselzustand namens Ketose zu versetzen. Dieser Zustand tritt ein, wenn dem Körper sehr wenige Kohlenhydrate zugefügt werden (unter 50 g pro Tag) und er seine Glycogenspeicher aufgebraucht hat (dauert ca. 2 bis 3 Tage).

Geht eine Ketogene Ernährung außerdem mit einem Kaloriendefizit einher, so handelt sich um eine Diät, die unweigerlich zur Gewichtsreduktion führen wird. Die Ketogene Ernährung kann aber auch mit einer ausgeglichenen oder positiven Kalorienbilanz umgesetzt werden (vgl. Anabole Diät). In diesem Fall steht nicht der Fettabbau im Fokus, sondern andere Ziele wie etwa die Behandlung bestimmter neurologischer und metabolischer Krankheiten oder der Muskelaufbau.

Da für den Eintritt einer Ketose allein die zur Verfügung stehende Kohlenhydratmenge entscheidend ist, werden die Bezeichnungen „Ketogene Diät“, „Low Carb“ bzw. „No Carb Diät“ und teilweise auch „Paleo Diät“ oft praktisch synonym verwendet. Bekannte Diätformen der Keto Diät sind beispielsweise die „Atkins Diät“, die „New York Diät“ oder die „South Beach Diät“.

Verkürzt gesagt ist die Annahme aller Ketose Diäten, dass es die Kohlenhydrate sind, die uns dick machen, denn sie führen zu einer mehr oder weniger hohen Insulinausschüttung und Insulin sorgt unter anderem dafür, dass Körperfett gebildet wird. Ein niedriger Insulinspiegel schafft auf der anderen Seite ein hormonelles Milieu, in dem Körperfett abgebaut werden kann.

Die Ketogene Diät setzt vor allem auf Fettsäuren

Die Ketose ist ein spezieller Stoffwechselzustand, der es dem Körper ermöglicht, seine Energie hauptäschlich durch den Fettsäureabbau zu decken. Normalerweise ist das nicht möglich, denn „Fette verbrennen im Feuer der Kohlenhydrate“, wie es in der Fachwelt gerne heißt.[1] Warum?

Zur Energiegewinnung werden Kohlenhydrate zunächst in Glucose (Traubenzucker) zerlegt und dann weiter in Brenztraubensäure (Pyruvat). Diese wiederum wird in aktivierte Essigsäure (Acetyl-Coenzym A) verwandelt, wobei als Nebenprodukt Oxalessigsäure (Oxalacetat) entsteht. Auch Fett- und ketogene Aminosäuren werden zwecks Energiegewinnung zu Acetyl-Coenzym A abgebaut, allerdings ohne die Bildung von Oxalacetat.

Acetyl-Coenzym A kann aber nur dann am weiteren Energiestoffwechselprozess (Citratzyklus und Atmungskette) teilnehmen, wenn ausreichend Oxalessigsäure zur Verfügung steht. Ist das nicht der Fall, eben weil keine Kohlenhydrate, sondern nur Fett- und ketogene Aminosäuren abgebaut wurden, ist dem Acetyl-Coenzym A der Zugang zum Citratzyklus sozusagen versperrt.

Der Körper reagiert und leitet das Acetyl-Coenzym A in die Leber um, wo es in die drei Ketonkörper Acetoacetat, beta-Hydroxybutyrat und Aceton aufgespalten wird. Letzteres spielt im weiteren Stoffwechsel keine Rolle mehr und wird über die Niere bzw. den Urin ausgeschieden oder über die Atmung (riechbar) abgeatmet.

Acetoacetat und beta-Hydroxybutyrat sind hingegen Energieträger, wobei die Energie nicht in der Leber selbst freigesetzt werden kann. Deshalb werden diese beiden Ketonkörper über das Blut zu anderen Organen weitertransportiert. Am Zielort werden die Ketonkörper wieder in Acetyl-Coenzym A zurückverwandelt und dann in den Citratzyklus eingespeist.

Über den Umweg der Ketose kann der Körper also Fettsäuren und ketogene Aminosäuren auch ohne Kohlenhydrate bzw. Oxalessigsäure effektiv zur Energiegewinnung nutzen. Davon profitieren vor allem Organe wie das Gehirn, die ihre Energie anders als beispielsweise Muskelzellen im Normalfall ausschließlich aus Glucose und nicht alternativ auch aus Fett beziehen.

Nachweisen lässt sich die Ketose durch den charakteristischen Aceton-Geruch des Atems und im Labor: Mit Teststreifen können Ketonkörper in Blut und Urin (Ketonurie) belegt werden (Nitroprussid-Methode).

So kommst du in eine Ketose

Während einige Organe wie die Muskeln ihre Energie sowohl aus Fett als auch aus Kohlenhydraten beziehen können, sind andere Organe wie das Gehirn im Normalfall auf die Energie aus Kohlenhydraten in Form von Glucose angewiesen. Der tägliche Mindestglucosebedarf eines erwachsenen Mensch liegt darum bei etwa 200 g.

Liefert die Nahrung diese Menge Glucose nicht, nutzt der Körper zunächst seine eigenen Glycogen-, sprich Kohlenhydratspeicher. Sind diese leer, beginnt er, Glucose in der Leber und der Nierenrinde selbst herzustellen (Gluconeogenese) und zwar hauptsächlich aus Aminosäuren (Eiweiß), die aus der Nahrung und aus dem Muskelabbau stammen. Auch aus Glycerin (Fett) kann ein Teil der benötigten Glucose synthetisiert werden. Der Körper kann so viel Glucose herstellen, wie er zum Überleben unbedingt braucht, also etwa 200 g am Tag.

Bei sich fortsetzendem Kohlenhydratmangel bekommt er allerdings ein Problem, schließlich baut er ja fortwährend Muskulatur ab, um sie zu Glucose zu machen. Und Muskeln braucht er zum Überleben auch. Der Organismus reagiert, indem er seinen Stoffwechsel auf Ketose umstellt, denn mit den Ketonkörpern kann er das zentrale Nervensystem mit Energie versorgen, die nicht aus Glucose stammt. So werden die Muskeln (Eiweißspeicher) geschont. Der Betrieb der Muskeln kann übrigens auch ohne Ketose mit Körperfett gedeckt werden – zumindest, wenn die Belastungen nicht sehr intensiv sind.

Du kommst also in die Ketose, wenn du kaum noch Kohlenhydrate zuführst und wartest, bis sich deine Glycogenspeicher geleert haben. Je länger du diesen Zustand aufrecht erhälst, desto stärker stellt sich dein Stoffwechsel um: Produziert der Körper zu Beginn einer kohlenhydratfreien Zeit noch etwa 150 g Glucose am Tag selbst, so sind es nach 5-6 Wochen nur noch rund 25 g.[2]

Wer eine funktionierende Ketogene Diät machen will, muss nicht nur die Kohlenhydrate auf unter 50 g am Tag senken, sondern auch den Eiweißkonsum moderat halten, denn der Körper kann aus Eiweiß Glucose herstellen, was den Eintritt der Ketose verhindert.

Die täglichen Kalorien sind bei einer klassischen Ketogenen Ernährung in etwa so auf die einzelnen Makronährstoffe verteilt: 90 % Fett, 8 % Eiweiß und 2 % Kohlenhydrate.[3]

Empfohlene Nährstoffverteilung von nu3

Die Nährstoffverteilung bei einer Ketogenen Diät

Diese Werte sind allerdings bei Diäten mit Kaloriendefizit nicht wirklich praktikabel. Wer sie nämlich einmal für 1.500 kcal am Tag durchrechnet, was einen typischen Tageskalorienwert für eine Diät (von Frauen) darstellt, kommt auf gerade einmal 7 g Kohlenhydrate am Tag. Selbst das hartgesottene Urgestein der Ketogenen Diät, Robert Atkins, erlaubt für die strengste Phase seiner Diät 20 g Kohlenhydrate am Tag.[4]

Auch Eiweiß würde im Fall einer 1500-kcal-Diät nur in sehr geringem Maße geliefert: Lediglich 29 g Protein kämen täglich auf den Teller. Allein für den Alltag, nicht für Diäten empfiehlt die DGE 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht täglich.[5] Während einer Diät wird der Eiweißbedarf von vielen Fitness- und Ernährungsexperten noch einmal deutlich höher angesetzt: Man liest Empfehlungen, die bis zu 2,5 g pro kg Körpergewicht und mehr reichen.

Schauen wir uns einmal den Beispielfall einer 70 kg schweren Frau an, die eine Keto Diät mit 1500 kcal pro Tag macht: Sie sollte mehr Eiweiß als bei einer ausgeglichenen Kalorienbilanz essen, aber nicht so viel, dass die Ketose gefährdet wird. 1 g Eiweiß pro kg Körpergewicht könnten hier einen guten Kompromiss darstellen, womit man auf 70 g Eiweiß am Tag käme – was 287 kcal entspricht. Die von Atkins empfohlenen 20 g Kohlenhydrate entsprechen 82 kcal.

Legt man diese praktikableren Werte auf Prozentwerte um, ergibt sich bei 1500 kcal am Tag folgende Makronährstoffverteilung (vgl. Diagram):

  • 75 % Fett
  • 19 % Eiweiß
  • 6 % Kohlenhydrate

Das ist immer noch ein knallharter Diätplan, schließlich sind 20 g Kohlenhydrate am Tag fast nichts: Du deckst diese Menge beispielsweise mit zwei großen Möhren (zusammen 300 g), 3 Scheiben dünnem Roggenknäckebrot oder elf Gummibärchen ab.[6]

Die Ketogene Diät führt zu Fettverlust

Oft ist zu lesen, dass man durch Ketogene Diäten und die eintretende Ketose besonders schnell abnehmen könne. Die Praxis scheint das zu bestätigen – zumindest wenn man nur für einige Wochen Diät macht: Die Pfunde purzeln schneller als bei Low Fat Diäten.

Nimmt man hingegen längere Zeiträume in den Blick, verändert sich das Bild. Die Unterschiede zwischen den Diätformen sind kaum noch wahrnehmbar: Ketogene Diäten wie Low Carb und die früher häufiger propagierte Low Fat Diät führen zu ähnlichen Gewichtsverlusten bzw. zu ähnlichen Jojo-Effekten.[7]

Doch warum punktet die Ketogene Diät vor allem am Anfang?

Wasserverlust am Anfang der Ketose Diät

Der Hauptgrund für den relativ hohen Gewichtsverlust am Anfang von Ketogenen Diäten sind die sich leerenden Glycogenspeicher des Körpers.[8] Alle Kohlenhydrate werden vom Körper zunächst in Glucose (Traubenzucker) zerlegt und dann entweder verbraucht oder als Glycogen in Muskeln und Leber gespeichert.

Dieses Glycogen im Körper, das es in der Summe auf 200-400 g bringt, bindet noch einmal 600-1200 g Wasser. Leeren sich die Speicher, wird auch das gebundene Wasser ausgeschieden. Es kommt zu einem entsprechenden Gewichtsverlust. Isst man wieder Kohlenhydrate, füllen sich die Glycogenspeicher wieder und es wird auch wieder Wasser gebunden. Das Gewicht geht hoch.

Das Kaloriendefizit entscheidet

Manche Beschreibungen der Ketogenen Diät vermitteln den Eindruck, die Ketose wäre entscheidend dafür, dass ein Körperfettabbau stattfindet. Doch das ist nicht richtig: Wenn Kohlenhydrate als Energielieferant fehlen, verbrennt der Organismus zwar verstärkt Fett- und Aminosäuren, aber diese können genausogut aus der Nahrung wie aus seinen Zellen stammen.

Ist die Energiebilanz ausgeglichen oder positiv, das heißt, werden durch den Verzehr von Fett und Eiweiß genügend oder übermäßig Kalorien aufgenommen, braucht der Körper die Fettzellen nicht anzuzapfen, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten – Ketose hin oder her. Wie viel Fett man bei Ketogenen Diäten verbrennt, entscheidet also hauptsächlich das Kaloriendefizit.[9]

„Ketogene Lebensmittel“ im strengen Sinne gibt es nicht, denn es ist dein Körper, in dem die Ketose stattfindet. Allerdings kann man in gewisser Weise doch von „Ketogenen Lebensmitteln“ sprechen. Man meint dann alle Lebensmittel, die einer Ketose nicht im Wege stehen, also Lebensmittel ohne Kohlenhydrate oder solche, die nur wenige beinhalten.

Neugierig, auf welche Speisen und Getränke das zutrifft? Dann schau dir diese drei Seiten von uns an. Sie weisen dir einen schnellen und sicheren Weg zur Ketogenen Ernährung – auch wenn du vegetarisch oder vegan lebst:

In der Bodybuilding- und Fitnessszene kennt man die Ketogene Diät schon seit den 1970er Jahren als „Anabole Diät“.[10] Populär wurde sie damals durch einen kanadischen Arzt und Gewichtheber namens Dr. Mauro DiPasquale, der sie in seinem Buch „The Anabolic Diet“ anpries.

DiPasquale stellte die These auf, dass der Muskelaufbau mit der Anabolen Diät optimiert werden könne, da der hohe Fettkonsum ein hormonelles Milieu schaffe, das dem bei der Einnahme von anabolen Steroiden ähnele. Gleichzeitig sollte durch den niedrigen Insulinspiegel Körperfett abgebaut werden können – der Traum eines jeden Bodybuilders.

Der Ablauf der Anabolen Diät unterscheidet sich dabei erstens durch die täglich verzehrte Kalorienmenge von der „normalen“ Ketogenen Diät: Die Kalorienbilanz ist nämlich deutlich positiv, schließlich soll ja Gewebe aufgebaut werden (anabole Stoffwechsellage).

Der zweite Unterschied ist, dass die Ketose jeweils nach ein paar Tagen beendet wird. Es folgen ein bis zwei „Aufladetage“, an denen reichlich Kohlenhydrate, aber nur geringe bis moderate Fettmengen verzehrt werden. Diese Tage dienen der Auffüllung der Kohlenhydratspeicher, damit genug Energie für das Krafttraining vorhanden ist. Außerdem wird an diesen Tagen viel Insulin ausgeschüttet, was den Muskelaufbau anregt.

Fachautor Christian von Loeffelholz sieht den Ansatz kritisch. Zwar eigne sich die Anabole Diät „potenziell für die Aufbauphase“, doch unter Profibodybuildern sei sie „nicht sehr verbreitet“, unter Hobbyathleten sogar „noch unpopulärer“.[11] Das hat seiner Meinung nach zwei Gründe:

  1. Die Umsetzung der Anabolen Diät sei sehr unangenehm: Da die Muskeln beim Krafttraining auf eine Art belastet werden, bei der nur Glucose und nicht Fett oder Ketonkörper als Energielieferant dienen kann (Energiebereitstellung aus der „Anaeroben Glycolyse“[12]), muss der Körper erst Eiweiß zu Glucose umwandeln – was nur langsam vonstatten geht.[13] Dazu kämen eine sich steigernde Unlust auf extrem fettreiche Nahrung sowie möglicherweise Probleme, einen Kalorienüberschuss zu erzeugen, Aufgedunsenheit nach den Aufladetagen, Stress und Konzentrationsschwierigkeiten. Diese ganzen Unannehmlichkeiten lohnen sich laut von Loeffelholz nicht, denn
  2. die Ergebnisse seien bescheiden, da für einen hocheffektiven Muskelaufbau eine häufige Insulinausschüttung notwendig sei. Und diese finde nur ein bis zwei Mal pro Woche statt. Darüber hinaus könne „ein gleichzeitiger Muskelaufbau und Fettabbau nicht stattfinden, auch bei der Anabolen Diät nicht“.[14]

Die Ketogene Ernährung ist sehr speziell und umstritten. Fachleute stufen sie mitunter als „Mangelernährung“ ein, da nicht genug Obst und Gemüse verzehrt werde, um etwa den Bedarf an Vitaminen und Miralstoffen zu decken. Auch eine ausreichende Versorgung mit Ballaststoffen sei nicht ohne Weiteres gewährleistet.[15] Manche Institutionen wie die DGE oder die Krankenkasse Barmer raten aus diesem Grund von „extrem kohlenhydratreduzierte[n] und einseitige[n] Diäten“ explizit ab[16].

Aus medizinischer Sicht werden folgende Risiken und Nebenwirkungen Ketogener Diäten diskutiert bzw. angenommen:[17]

  • Anstieg des Cholesterinspiegels
  • Nierenschäden
  • Erhöhtes Krebsrisiko (Brust und Dickdarm)
  • Knochenschäden
  • Herzkrankheiten
  • Arteriosklerose
  • Verstopfung
  • Mundgeruch
  • Übelkeit
  • Jojo-Effekt
Die Ketogene Diät hat einige Nebenwirkungen

Eine „Diät ohne Kohlenhydrate“ – das klingt nicht nur extrem, das ist es auch: Du versetzt deinen Körper durch Ketose und Kaloriendefizit in einen Ausnahmezustand, in den ihn eigentlich nur längere Hungerperioden bringen. Das ermüdet ihn, was sich früher oder später wahrscheinlich auch psychisch bemerkbar macht.

Was steht dafür auf der Haben-Seite? Wir denken: nicht viel. Du nimmst eventuell etwas schneller ab als mit anderen Diäten, wobei gerade anfangs vor allem Wasserausscheidungen für den hohen Gewichtsverlust sorgen. Diese Pfunde hast du direkt wieder drauf, sobald du die Keto Diät beendest. Darüber hinaus wirst du sicherlich einiges an Muskelmasse abbauen – denn je extremer eine Diät ist, desto mehr Muskeln büßt du währenddessen ein, schließlich sind die Muskeln ein dankbarer Ersatzenergielieferant, wenn Kohlenhydrate fehlen.

Ein Nachteil Ketogener Diäten ist auch der Stress, der bei einem weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate – die schnellste und effektivste Energiequelle – nicht ausbleiben wird: Der Körper signalisiert ständig Mangel an Energie und überall lauern die Versuchungen. Je nachdem, was du für ein Typ bist, kann dieser Stress dein hormonelles Milieu soweit verändern, dass du nur noch langsam oder gar nicht mehr ab- bzw. sogar zunimmst. Schlaf- und Konzentrationsstörungen können dazukommen.

Und damit sind die möglichen Probleme noch nicht abgehakt: Ein Verzicht auf Kohlenhydrate bedeutet auch: Wenige Ballaststoffe, was die Chancen auf Verstopfung steigert. Dazu wird der Ketonkörper Aceton über die Atmung ausgeschieden, sprich: Auch mit Mundgeruch ist zu rechnen.

Schließlich ist auch die Gefahr für einen Jojo-Effekt sehr hoch, unter anderem da die Ketogene Diät sehr weit von der Durchschnittsernährung hierzulande abweicht. Kehrst du zu einer „normalen“ Ernährung zurück, geht dein Gewicht wahrscheinlich schnell wieder hoch. Bleibst du hingegen dauerhaft bei einer Ketogenen Ernährung und vermeidest so den Jojo-Effekt, steigerst du dafür eventuell das Risiko, ernsthafte Gesundheitsprobleme zu bekommen.

Für wen eignet sich die Ketogene Diät?

Wegen der vielen offen Fragen bezüglich der gesundheitlichen Risiken denken wir, dass eine Ketogene Diät nur etwas für kerngesunde, psychisch sehr belastbare Personen mit einem sehr guten Körpergefühl und einer Menge Grundwissen über Ernährung ist.

Denn du musst diese Diät nicht nur durchhalten und spüren können, ob sie dir guttut oder nicht; du musst auch wissen, wie du trotz der Einschränkungen an genügend Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe kommst. Darüber hinaus musst du wissen, wie du dich nach der Diät vernünftig weiterernährst, um einen Jojo-Effekt zu umschiffen.

Die Alternative zur streng Ketogenen Ernährung heißt

Du kannst auch ohne Ketose von einer kohlenhydratarmen Ernährung profitieren. Peile ein tägliches Kaloriendefizit von 500 kcal und eine tägliche Kohlenhydratmenge von 100 bis 150 g an. Achte darauf, dass diese Carbs mit so vielen Ballaststoffen (vgl. Konzept „Slow Carb“) wie möglich kommen. Iss dazu noch 1 bis 1,5 g Protein pro kg Körpergewicht. Der Rest der Kalorien kommt aus Fetten.

Mit einer so zusammengestellten Diät kannst du die kurzfristigen Nachteile einer Ketogenen Diät weitgehend umschiffen und dennoch deinen Blutzuckerspiegel niedrig halten. Willst du dich langfristig so fettreich ernähren und nicht nur während einer befristeten Diät, sprich dich mit einem Arzt ab. Er kann dir sagen, ob sich eine solche Ernährung für dich eignet und auf was du bezüglich der Fette achten musst.


Fußnoten:

[1]So etwa bei Konopka, S. 34, oder bei von Loeffelholz, S. 89.
[2]Vgl. MHH, S. 10.
[3]Vgl. von Loeffelholz, S. 92.
[4]Vgl. Wikipedia: Atkins-Diät.
[5]Vgl. DGE.
[6]Vgl. Fddb.
[7]Vgl. Spektrum.de.
[8]Vgl. ebd.
[9]Vgl. von Loeffelholz, S. 96 u. S. 115.
[10]Vgl. zum gesamten Kapitel ebd., S. 88 ff.
[11]Ebd., S. 90 ff.
[12]Vgl. Konopka, S. 40.
[13]Vgl. von Loeffelholz, S. 95.
[14]Vgl. von Loeffelholz, S. 96.
[15]Vgl. ebd., S. 93.
[16]Vgl. Barmer.
[17]Vgl. DocCheck: „Kohlenhydratarme Diät“.


Quellen:

Barmer GK: „Unter der Lupe: Die Low Carb-Ernährung“, abgerufen am 19.01.2018.

Christian von Loeffelholz: „Leistungsernährung für Kraftsportler. Strategien für Muskelaufbau, Fettabbau und optimale Regeneration“, Novagenics Verlag 2002.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): „Referenzwerte für Protein“, abgerufen am 19.01.2018.

DocCheck Flexikon, Schlagworte: „Acetyl-CoA“, „Beta-Oxidation“, „Citratzyklus“, „Gluconeogenese“, „Glycogen“, „Intermediärstoffwechsel“, „Ketogene Aminosäure“, „Ketogenese“, „Ketonkörper“, „Kohlenhydrat“, „Kohlenhydratarme Diät“, „Lipolyse“, „Zerebraler Stoffwechsel“, abgerufen am 19.01.2018.

Dr. Med. Peter Konopka: „Sporternährung“, BLV Buchverlag München 2015.

FDDB: „Goldbären“, „Knäckebrot, Roggen Dünn“, „Möhren, frisch“, abgerufen am 19.01.2018.

Hall, Kevin D. et al.: „Calorie for Calorie, Dietary Fat Restriction Results in More Body Fat Loss than Carbohydrate Restriction in People with Obesity”, Cell Metabolism , Volume 22 , Issue 3 , 427 – 436, abgerufen am 19.01.2018.

Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): „Grundlagen des Stoffwechsels“, abgerufen am 19.01.2018.

MeinStoffwechsel.com: „Hungerstoffwechsel“, abgerufen am 19.01.2018.

Thieme via medici, Lernmodule: „Citratzyklus: Überblick“, „Ketonkörper“, „Protein- und Aminosäureabbau: Überblick und Reaktionsprinzipien“, abgerufen am 19.01.2018.

Spektrum.de: „LOW-CARB: Was sagt die Wissenschaft zum Diät-Trend?“, abgerufen am 19.01.2018.

Wikipedia, Schlagworte: „Atkins-Diät“, „Fettstoffwechsel“, „Gluconeogenese“, „Glucose“, „Glykolyse“, „Ketogene Diät“, „Ketokörper“, „Low-Carb“, abgerufen am 19.01.2018.